Geschichte

1861 begann in Nordamerika der Krieg der Nord- gegen die Südstaaten, zwischen New York und San Francisco entsteht eine Telegraphenleitung, in Russland wurde die Leibeigenschaft abgeschafft, in Heidelberg gründet sich der Deutsche Handelstag als Dachorganisation der Industrie- und Handelskammern. Johann Phillip Reis stellt auf einer physikalischen Tagung einen Apparat vor, den er Telefon nennt.

1862 erklärt der amerikanische Präsident Lincoln die Sklaverei als abgeschafft. Guttin erfindet das Maschinengewehr und die massenhafte Besiedlung des wilden Westens und die Vertreibung der dort lebenden Indianer beginnt. Fürst Bismarck wird preußischer Ministerpräsident und der preußische General Beyer beginnt mit der mitteleuropäischen Landvermessung. Bis in diese Jahre wurden Ziegeldächer in Sachsen von den Maurern gedeckt. Da kam es oft zu Qualitätsmängeln, da wie alte Schriften berichten, „...die Maurer oftmals eine Latte übergingen....“

So kam es, dass böhmische Ziegeldecker nach Sachsen einwanderten und hier Dächer eindeckten. Einer von ihnen war Christoph Michal aus Königgrätz. Er ließ sich in den Zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts in Schleenhain mit seiner Familie nieder, wo er einen Dachdeckerbetrieb gründete.

Zu damaliger Zeit wurde im März mit der Arbeit auf dem Bau begonnen und diese endete im Oktober, sodass die Dachdecker eine Ausweicharbeit für den Winter brauchten, um sich und ihre Familie zu ernähren. Darum arbeitete Christoph Michal im Winter als Schneider. Er hatte 4 Söhne, die die gleichen handwerklichen Fertigkeiten im elterlichen Betrieb erlernten. Einer seiner Söhne, Johann Christoph Michal kam als Schiefer- und Ziegeldeckermeister nach Frohburg

Er heiratete Frau Köhler, geb. Berger, welche bereits verwitwet war. In den Wintermonaten ging Johann Christoph immer zu Fuß in seine alte Heimat nach Böhmen, wo die Gesellen für die kommende Saison angeheuert worden. Um den Weg auszunutzen, brachte er immer einen Schiebbock voll Dachspäne mit nach Frohburg, welche die Arbeiter in den Wintermonaten eigens gefertigt hatten. Emil Köhler, der Sohn von Köhler, lernte bei seinen Stiefvater das Handwerk des Ziegeldeckers. Am 03. März 1862 gründete er seine eigene Firma und begründet damit unser Unternehmen. Emil Köhler erwirbt im Jahr 1904 das Grundstück im Wiesenmühlenweg in Frohburg, das Grundstück der ehemaligen Körner’schen Ziegelei. Dieses Grundstück ist bis heute der Sitz der Firma Köhler. Emil hat mit seiner Frau Emilie 9 Kinder, darunter auch Arno und Oswald Köhler, die ebenfalls das Dachdeckerhandwerk erlernten. Das letzte Dach, welches von Emil Köhler gedeckt wurde (Wohnhaus der Familie Kurth in Roda), wurde erst vor wenigen Jahren ebenfalls von unserer Firma abgerissen und neu eingedeckt.

Emil Köhler starb 1923. Seine Söhne Arno und Oswald arbeiteten bis zu Beginn des ersten Weltkrieges 1914 im Betrieb des Vaters, ersterer legte am 18.11. 1913 die Meisterprüfung für das Ziegeldeckerhandwerk ab. Bis zum Ende des Krieges 1918 blieben die Betriebe von Emil Köhler und Johann Christoph Michal weiter erhalten. Als Arno Köhler 1920 aus der franz. Gefangenschaft entlassen wurde, konnte er die Arbeit in der elterlichen Firma aufgrund mangelnder Aufträge nicht fortführen und gründete somit sein eigenes Geschäft. Da Oswald ebenfalls eine eigene Firma gründete war das Verhältnis der Brüder nicht auf das Beste gestellt. Die Konkurrenz überdeckte die Familienbande. Die Unternehmen sind auch von Wirtschaftskrise und Inflation in den 20 Jahren nicht verschont geblieben. So musste in dieser Zeit für das Tagwerk am morgen kassiert werden. Diese Aufgabe übernahm Arnos Frau Lydia Köhler. Wenn sie mit dem Geld von der Baustelle zurück war, warteten schon die Frauen der Mitarbeiter auf sie. Da wurde der Lohn für den Tag ausbezahlt. Schnell gingen die Frauen einkaufen, denn mit jeder Minute wurde das Geld weniger wert. Am Abend war es (fast) wertlos.

Mit viel Fleiß gelangt Arno, wie auch sein Vater, zu einem für die damalige Zeit nicht selbstverständlichen Wohlstand. Zu Beginn der Dreißiger Jahre erwirbt er das Grundstück in der Amtsgasse in Frohburg (später Dr. Zamenhofstraße). Dieses Grundstück ist heute im Besitz der Familie Kohl, Sieglinde Kohl ist eine Enkelin von Arno Köhler. 1937 wird Arno Köhler Schützenkönig in Frohburg. Arno war kein langes Leben beschert, 1940 stirbt er im Alter von gerade mal 60 Jahren nach schwerer Krankheit, einer Folge der Misshandlungen in der französischen Kriegsgefangenschaft. 1939 wurde sein Sohn Kurt Köhler (geboren 1909), der im elterlichen Betrieb tätig war, als Vater von 3 Kindern zum Militärdienst eingezogen. Kriegsbedingt wurde das Geschäft 1941 ruhend abgemeldet. 1946 kommt Kurt aus amerikanischer Gefangenschaft zurück. Zurück in Deutschland eröffnete er die Dachdeckerfirma wieder, um seine Familie zu ernähren. Im selben Jahr begann sein ältester Sohn Horst eine Lehre im selben Beruf. 1948 legte Kurt in Grimma die Meisterprüfung ab.

In der schwierigen Zeit nach Kriegsende waren für das Dachdeckerhandwerk ausreichend Aufträge vorhanden, jedoch mangelte es an genügend Baumaterial. Nachdem sich die Lage etwas stabilisiert hatte, begann die Kollektivierung in der neu gegründeten DDR. Handwerksbetriebe wurden zum Teil mit sehr unfairen Maßnahmen gezwungen, sich zu Genossenschaften zusammenzuschließen. Die Materialversorgung der Betriebe erfolgte unter staatlicher Aufsicht. Da sich die Firma Köhler weigerte, einer Genossenschaft beizutreten oder neu zu gründen, wurde die Materialzuweisung zwei Jahre vollkommen eingestellt. Kurt Köhler wurde in dieser Zeit mit Steckbriefen diffamiert.

Da aber die Arbeitsqualität der Firma weit über die Ortsgrenzen von Frohburg bekannt war, erhielten wir von der damaligen Bauunion, welche in Böhlen und Rötha Wohnungsbauten im großen Stil errichtete, Aufträge und Material, mit dessen Hilfe man diese schwere Zeit überbrücken konnte. Auch Lehrlinge bildete man zu dieser Zeit aus. So erlernte z.B. der spätere Obermeister der Dachdeckerinnung Armin Pöhlmann in dieser Zeit bei Kurt Köhler das Handwerk.

1957 hatte Horst Köhler die Meisterprüfung in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) mit Erfolg absolviert. Bis 1964 arbeitete Horst im Betrieb seiner Eltern. Die Zahl der Beschäftigten in den Handwerksbetrieben war begrenzt, sodass die Firma Köhler über zu viele Beschäftigte verfügte und somit eine Betriebsspaltung folgen musste. Leider erhielt Horst Köhler keine Genehmigung vom Staat, in Frohburg eine Firma zu gründen. Im Kreis Borna dagegen wurde ihm die Genehmigung wohlwollend erteilt. 1959 heiratete er Helga Köhler, geb. Löchel. Aus dieser Ehe entstanden zwei Kinder. Sein Sohn Hans-Jörg (geb. 1959) lernte ab 1976 im Betrieb seines Vaters und besuchte nach Ableistung seines Wehrdienstes 1980 ab 1981 die Meisterschule in Halle, die er 1983 abschloss. Seit dem arbeitete Hans-Jörg im elterlichen Betrieb mit. 1989 nahm er aktiv an den Montagsdemonstrationen in Leipzig teil. Einmal konnte er sogar seinen Vater bewegen, die Arbeit liegen zu lassen, und mitzukommen.

Die Wende 1989/90 brachte neue Chancen und Herausforderungen. In Helmbrechts (Franken) lernten wir die Firma und Familie Mötzinger kennen, mit denen wir noch heute befreundet sind. In Mitteldeutschland bestand nach der Wiedervereinigung Deutschlands großer Bedarf an Bedachungsbauleistungen. Jedoch kamen eine ganze Menge neue Materialien und Techniken auf uns zu und vieles musste dazu gelernt werden. Ausgebildetes Personal war trotz grassierender Arbeitslosigkeit knapp.

So begannen wir 1990 mit der Ausbildung von Lehrlingen. Bis zum Ende der 90er Jahre fanden fast jährlich zwei Azubis in unserer Firma einen Ausbildungsplatz. Der erste „Nachwendelehrling“ ist inzwischen als Dachdeckermeister in unserem Unternehmen tätig. Auch die meisten anderen Lehrlinge wurden nach der Ausbildungszeit übernommen und zählen noch heute zum Personalstamm der Firma.
1995 gründete Horst und Hans-Jörg Köhler zu gleichen Teilen die Köhler Bedachungen GmbH. In dieser Rechtsform wird das Unternehmen bis heute weitergeführt.

Gegen Ende der 90er Jahre, etwa ab 1997, brach die Nachfrage nach Bedachungsbauleistungen im hiesigen Markt zusammen. Da traf es sich gut, dass sich die Zusammenarbeit mit einem bekanntem Berliner Ingenieurbüro ergab. Die Hauptstadt war gerade Regierungssitz geworden, damit war noch für weitere Jahre ein hoher Baubedarf vorhanden. So kam es, dass wir für mehrere größere Projekte in Berlin und Potsdam den Zuschlag erhielten und diese erfolgreich abwickelten. Jedoch etwa 2004 hatte die Krise der Bauwirtschaft auch Berlin erreicht. Ingenieurbüros, mit denen wir partnerschaftlich zusammen gearbeitet hatten, wurden insolvent. So war auch unser Unternehmen vom Nach-fragerückgang betroffen. Wir unternahmen alle Anstrengungen, um trotz der erforderlichen Anpassung des Personalbestandes, möglichst viel know how zu halten......